Deauville (Seebad)
Deauville, Seebad der Reichen und Schönen in der Normandie.
Jenseits der Brücke, die über den Fluss Toques von Trouville nach Deauville führt, eröffnet sich eine Welt, die zum unbedingten Pflichtziel jener Pariser Spezies gehört, die sich in welcher Form auch immer zur feinen Gesellschaft zählt.
Der Glanz der Noblesse ist dabei keineswegs zufällig entstanden, sondern wurde sorgfältig kalkuliert.
1859 setzte ein Konsortium von Investoren unter der Leitung des Duc de Morny und des britischen Botschafters in Paris die Idee eines eleganten Seebades um, kaufte Grundstücke, plante ein gitterähnliches Straßennetz mit zwei diagonal verlaufenden Boulevards, ließ für die individuellen Villen mit ihren großzügigen Gärten viel Platz, richtete eine Pferderennbahn ein, schuf eine Promenade und alle weiteren Einrichtungen, die für einen luxuriösen Müßiggang notwendig sind.
Zur vollen Blüte erwachte Deauville jedoch erst in den 1920er Jahren und dann, nach dem Zweiten Weltkrieg, wieder ab den 1960er Jahren. Die Anziehungskraft auf die Reichen und Schönen hat der Ort trotz der sich wandelnden Zeiten bis heute nicht eingebüßt.
Aber auch weniger Betuchte sind von dem besonderen Flair Deauvilles fasziniert, rangeln um die schönsten, nicht immer preiswerten Ferienwohnungen in Deauville und erliegen leicht dem Charme eines kleinen Ortes mit Weltniveau.
Der Place de Morny, auf den acht Straßen einmünden, bildet den Ortskern, der an Markttagen noch so etwas wie Alltäglichkeit bietet. Eigentliches Zentrum ist jedoch das Kasino am Boulevard d'Eugène Cornuché, dessen glitzerndes Entrée jeden in Badelatschen und Strandkleid abschrecken mag. Tatsächlich gibt es ein unmissverständliches Schild, das darauf hinweist, dass zumindest nach 20 Uhr Freizeitkleidung nicht erwünscht ist.
Entsprechend gewandet also kann sich, wer eine Schwäche für das Glücksspiel hat, in dem neoklassizistischen Bau aus dem Jahr 1912 auf vielerlei Art ruinieren: Baccara, Roulette, Black Jack und 325 Spielautomaten versprechen den Jackpot, verlangen aber auch ordentlichen Einsatz.
Darüber hinaus bietet das Kasino große Bälle mit dem hauseigenen Orchester, eine Revue mit spärlich bekleideten Tänzerinnen auf Schlittschuhen oder in Stilettos, Gastspiele von Größen aus Jazz, Pop und Swing im pluschig-pompösen Theater, ein Kino, eine Diskothek, ein Restaurant und viele diskrete Ecken, wo man anmutig am Champagner nippen kann. Ein bisschen Las Vegas, nur um einiges exklusiver.
Jenseits des Boulevard d'Eugène Cornuché mit seinen vier Autospuren, auf denen die Luxuskarossen vorgeführt werden, verbirgt sich hinter moderner Architektur der Komplex CID, Centre International de Deauville, mit Kongresszentrum, Veranstaltungsräumen und Freizeiteinrichtungen. Der Boulevard selbst ist darüber hinaus gesäumt von teuren Hotels und Villen in vielfältigen Architekturstilen.
Da ist zum Beispiel das Hôtel Normandy mit seinem normannischen Fachwerk, dann gibt es Anklänge an Versailles, an maurische Paläste oder schottische Baronialschlösschen. Eine der eklektizistischen Villen mit Fachwerk, Türmchen, Erkern, Veranden und allerlei weiteren architektonischen Spielereien ist die Villa Strassburger, die Deauville unübersehbar überragt, wenn man von Süden in den Ort kommt. Sie wurde zu Beginn des 20. Jh. für den Baron Henri de Rothschild errichtet und 1 924 von dem amerikanischen Milliardär Strassburger erworben. Sein Sohn hat die Villa 1979 dem Ort übereignet, dessen Repräsentanten sie nun als festlichen Rahmen für Empfänge und Kammerkonzerte nutzen. Im Juli und August ist sie auch der Öffentlichkeit für eine Besichtigung zugänglich.
Zu den Mythen Deauvilles gehört sicherlich die Strandpromenade, die ebenfalls wie in Trouville aus Holzplanken besteht. Auf dieser Promenade des Planches zeigt sich nun jeder, der etwas auf sich hält oder gerne jene begaffen möchte, die zur Highsociety gezählt werden.
Dass man dann tatsächlich einem Filmstar oder einem Jetset-Angehörigen begegnet, ist jedoch kaum so alltäglich, wie es die Legendenbildung gerne hätte. Immerhin sind die Umkleidekabinen am Strand mit den Namen der großen Leinwandstars versehen, die vielleicht sogar mal irgendwann in Deauville waren, aber keineswegs verbürgterweise diese Kabinen benutzt haben. Gleichwohl ist die eine oder andere Filmberühmtheit durchaus in Deauville zu sichten, da sie selbstverständlich als Gäste dem alljährlichen Festival des amerikanischen Films im September beiwohnen.
Die Saison in Deauville hat aus Tradition einen festen Rahmen. Sie richtet sich unabhängig von anderen Ereignissen strikt nach dem, was Dreh- und Angelpunkt Deauvilles ist: dem Pferdesport. Ab Juli finden die großen Rennen auf einer der beiden Pferderennbahnen statt, Anfang August die Parade und der Verkauf der Einjährigen. Höhepunkt jedoch sind Ende August der Grand Prix de Deauville und der Lancel Polo Cup, die Weltmeisterschaft des Polo auf dem Rennplatz La Touques.
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