Giverny
Giverny

Giverny

Dort, wo die Epte in die Seine mündet, liegt im Ort Giverny jenes zauberhafte Anwesen, das der Maler Claude Monet vor etwa hundert Jahren zu einem kleinen Paradies in der Normandie umgestaltet hat.

Giverny, bis vor einigen Jahrzehnten ein verträumtes Städtchen, ist heute zu einem Wallfahrtsort von Normandie-Urlaubern und Touristen, Kunstfreunden und Schulklassen geworden.

So wird man kaum einen ruhigen Zeitpunkt erleben, um die Schönheit vor allem des Monet-Gartens in Giverny genießen zu können. Doch selbst wenn sich die Massen durch die Gartenwege schieben, werden sie doch von der Vielfalt an Farben, Formen und Gerüchen aus der Natur übertrumpft.

Iris, Dahlien, Orchideen, Narzissen, Mohnblumen, Chrysanthemen, Rosen, Azaleen, Bambus, exotische und einheimische Sträucher und Bäume – nahezu eine ganze Enzyklopädie an Pflanzen ist kunstvoll zusammengestellt, so wie Monet es vor Über einem Jahrhundert selbst angelegt hatte.

Der Künstler arrangierte seinen Garten nach Ländern und Regionen, entsprechend den Reisen, die er in Frankreich, England, Italien und Norwegen unternommen hatte, einschließlich japanischer Elemente, wie die berühmte Brücke, eingerahmt von fernöstlichen Pflanzen. Auch die vermeintlich wild blühende Üppigkeit der Blumen wurde nicht dem Zufall überlassen, sondern sorgfältig nach Farben ausgewählt, sodass je nach Blütezeit ein bestimmtes Farbenthema vorherrscht. Deswegen sind Edelblüten auch mit Wiesenblumen gemischt, wie Orchideen und Gänseblümchen oder Begonien und Vergissmeinnicht.

Das Wohnhaus, 1883 zunächst gemietet und sieben Jahre später gekauft, ließ Monet ebenfalls nach seinen Gestaltungswünschen umbauen, nachdem er es sich leisten konnte. Auch dort dominiert sein Farbenschema. So ist das Esszimmer ein sonniger Raum in leuchtendem Gelb, die Küche in frischem Blau und das Schlafzimmer in sanften Pastell- und Holztönen gehalten.

Der heutige Zustand von Monets Haus und Garten in Giverny ist einem Amerikaner zu verdanken, Gerald van der Kemp, der zuvor Kurator für die Restaurierung von Schloss Versailles war. Nach dem Tod Monets im Jahr 1926 zeigten seine Erben an dem Anwesen nur wenig Interesse. Lediglich seine Schwiegertochter sorgte noch bis zum Zweiten Weltkrieg für dessen Erhalt. Doch nach dem Krieg wurde es sich selbst überlassen, nur von einem Hausmeister oberflächlich versorgt.

Nachdem das bekannteste Wohnhaus der Normandie schließlich 1966 der Académie des Beaux-Arts übereignet wurde, begannen erste, wenn auch nur notdürftige Restaurierungsarbeiten, bis jener Gerald van der Kemp 1977 auf den Plan trat. Er rief ein Kuratorium zusammen, das mit reichlich Geldspenden hauptsächlich wohlhabender Amerikaner Haus und Garten wieder instand setzen ließ.

Das große Atelier, das Monet seinerzeit baute, ist heute Eingangshalle und Verkaufsraum von Monet-Andenken, in dem es die legendären Seerosen in allen Variationen gibt, als Plakat, auf Regenschirmen oder Krawatten gedruckt.

Das Dorf Giverny selbst profitiert nicht schlecht vom Monet-Tourismus. Nicht nur findet man in den Cafés und Restaurants in Giverny während der Saison kaum einen Platz, sondern entlang dem Fußweg vom Parkplatz zu m Anwesen bieten auch eine Reihe von Künstlern ihre Werke an, auch wenn manche der Neo-Impressionisten nicht die Finesse des Originals erreichen.


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