Normannische Küche in der Normandie
Normannische Küche in der Normandie

Küche der Normandie

Küche der Normandie: Eine preiswerte Alternative zur traditionellen normannischen Küche wäre, sich die wesentlichen Küchenzutaten wie Käse, Baguette und Cidre in den entsprechenden Läden zu kaufen und sich ein gemütliches Picknick zu gönnen.

Aber was für eine Verschwendung der Möglichkeiten, die die normannische Küche zu bieten hat!

Allerdings, das sei als Warnung vorangestellt, ist die Küche der Normandie auch sehr reichhaltig,in ihrer originalen Form also nicht unbedingt für jeden Tag zu empfehlen, außer für jene Zeitgenossen, die keine Probleme mit prompter Gewichtszunahme haben.

Die Normandie ist ein fruchtbares Ackerland, in dem Gras und Kräuter auf den Weiden schneller zu wachsen scheinen, als die Kühe sie abgrasen können. Die normannischen Milchprodukte dürften somit zu den fettesten der Welt gehören, zudem von einer Qualität, die kaum zu schlagen ist. Die Crème fraîche, unverzichtbarer Bestandteil der feinen Küche, sei es in Saucen oder Suppen, ist ein originäres Produkt der Normandie, wobei die beste Crème in Isigny hergestellt wird.

Die Butter in der Normandie ist goldgelb und eine Köstlichkeit auf frischem Baguette, auch ohne die selbst gemachte Marmelade, wie man sie in manchen Privatunterkünften, also Ferienwohnungen in der Normandie, erhält.

Allein vier der berühmtesten Käsesorten Frankreichs werden in der Normandie hergestellt. Diese bekannten Käse der Normandie zeichnen sich durch ihre weiche Konsistenz, ihren würzigen bis kräftigen Geschmack und ihren hohen Fettgehalt aus:

Der Pont l'Évêque, der nur vor Ort gelingt, da er ganz frische und sehr fetthaltige Milch benötigt, der Livarot, der für empfindliche Nasen recht streng riecht und schmeckt und dem berühmten Roquefort gleicht, der sanft-würzige Neufchâtel-en-Bray, der nicht älter als drei Monate werden darf, und natürlich der Camembert, der selbst in den provinziellsten Supermärkten Europas nicht im Kühlregal fehlt, aber einer ganz aufwendigen Herstellungsprozedur bedarf. Man probiere einmal einen beliebigen Camembert aus dem heimischen Kühlregal und einen in der Normandie erworbenen!

Feinschmeckertipp: Der Käse darf vor allem nicht aus dem Kühlschrank kommen, muss mindestens zwei Stunden >aufwärmen<<. Im besten Fall ist er ganz und gar durchgereift, ohne jene krümelige weiße Schicht in der Mitte, aber auch ohne eine sich bräunende Rinde.

Dann ist die Normandie auch ein Fischerland, dessen Spezialität nicht nur fangfrischer Fisch, sondern vor allem Mies- und Jakobsmuscheln sind, für die es zahllose schmackhafte Zubereitungsarten gibt.

Als flüssige Spezialität bietet die Normandie die Produkte der weitläufigen Apfelplantagen: Cidre, Pommeau und Calvados, Getränke mit unterschiedlichem Alkoholgehalt, aber stets so gut gekeltert und destilliert, dass man die besten Produkte meist nur vor Ort erhält.

Mit diesen Zutaten werden in der regionaltypischen normannischen Küche bodenständige Gerichte gezaubert, die zusammen mit internationalen Gepflogenheiten, individuellen Kreationen und der klassischen französischen Küche, die ihre Anstöße gewiss aus der Normandie empfangen hat, jeden Feinschmecker im Schlemmerurlaub begeistern.

Die Sauce normande beispielsweise, ein Grundstock, der je nach Gericht verfeinert wird, bereitet man folgendermaßen zu: In ca.30 Gramm Butter wird eine feingeschnittene Zwiebel glasig gedünstet, anschließend mit einem Esslöffel Mehl eingedickt, dann mit einem Viertel Liter trockenem Cidre verdünnt, nach heftigem Rühren schließlich mit etwas Salz, Pfeffer und Muskat gewürzt. Zum Schluss fügt man einen Viertel Liter Crème fraîche und einen Zitronenschnitzer hinzu. Ein gebackener Camembert mit dieser Sauce gilt in der Normandie als Vorspeise ...

Auch die traditionellen Geflügelgerichte erhalten ihren Pfiff mit Cidre. Das Pigeonneau au Cidre, Täubchen mit Cidre, ist ein Knabbervergnügen, das in Butter gebraten und mit Thymian, Lorbeer, Salz und Pfeffer gewürzt und zum Schluss mit Calvados flambiert wird. Der Saucenfond wird mit Cidre und Butter verfeinert. Köstlich dazu sind gedünstete Apfelschnitze.

Vor allem an der Küste werden Meeresfrüchte serviert, deren Zubereitung allerdings sehr von der Qualität des Restaurants abhängt.

Frisch sind Fisch und Meeresfrüchte nämlich immer, aber die Zubereitung ist eine Kunst. (siehe Bild)

Jakobsmuscheln, Saint-Jacques, sind eine Spezialität der Normandie, und eines der leckersten Gerichte ist Blanquette de Saint-Jacques: Das gereinigte Muschelfleisch wird in Butter gebraten, dann mit Calvados flambiert.

Anschließend wird eine feingehackte Zwiebel hinzugefügt, alles leicht gedünstet, mit Mehl eingedickt und mit einem Viertel Liter Weißwein verdünnt. Schließlich wird das Ganze mit Knoblauch, Salz und Pfeffer gewürzt, frische Champignons eingerührt, bis sie butterzart sind, und zum Schluss mit Crème fraîche und Eigelb verfeinert.

Die Nachspeisen, wie alle Süßspeisen in der Normandie, sind ein Gedicht. Kalorienarm erscheinender Obstsalat wird, wie könnte es anders sein, in Butter gedünstet und mit viel Zucker, Calvados und Crème fraîche verfeinert, Die Apfelkuchen kommen in verschiedenen Variationen daher, als großartige Torten oder kleine Teilchen, in Restaurants mit feinster Sahne serviert.

Eine Offenbarung für Naschkatzen sind die Chocolatiers, Schokoladenläden, die wahre Kunstwerke produzieren. Auch in diesem Fall sind die Milchprodukte dominierend, zumal wenn es um das Caramel geht, eine butterig-sahnige Kreation, deren leckerste Exemplare man ebenfalls in Isigny bekommt. Pralinen und Schokoladentorten, kleine, tiefschwarze Schokoladen-Skulpturen oder Karamellen in den verschiedensten Geschmacksrichtungen mit Mandeln, Pistazien oder Mokka, aber stets schmelzend weich und sahnig - sind eine Verführung, die man wohl nur mit den Zutaten der Normandie zaubern kann.

Süße Kleinigkeiten in den Patisserien sind ebenso unwiderstehlich. Die kleinen Sandkekse, Sablé de Caen, bestehen zur Hälfte aus Butter und schmecken entsprechend köstlich. Was Ernährungswissenschaftler wissen, dass Fett der eigentliche Geschmacksträger ist, muss man den Normannen erst gar nicht erklären.

Man kann sich in der Normandie wie überall in der Welt natürlich auch von Pizza, Pommes und Cola ernähren. Oder von sonstigen Allerweltsgerichten, die preiswert und überall erhältlich sind.

Aber wer will das schon - bei einer solch wunderbaren Küche in der Normandie…Bon appetit!

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