Le Havre

Le Havre Im hafen von Le Havre kann man berühmte Kreuzfahrtschiffe wie die Queen Elisabeth II, AIDA und Jewel of the Sea bewundern

Le Havre

Urlaub in der Normandie, bedeutet oft Kreuzfahrten ab Le Havre. Aber auch Landgang mit Stadtrundfahrt? Es ist nicht unbedingt so, dass man Le Havre gesehen haben muss, sagen manche Normandie-Reisende. Im Urlaub in der Normandie gehört ein Besuch von Le Havre, einem wichtigen wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum mit einem der grössten Häfen Frankreichs oft zum Reiseprogramm. Vor allem auch wenn man den Fährhafen von Le Havre zwecks Überfahrt nach England oder Irland braucht, ist ein Besuch der Stadt, mitunter auch ein Aufenthalt mit Übernachtung im Hotel in Le Havre kaum zu vermeiden. Und dann erleben viele Normandie-Touristen beim Rundgang durch eine weniger idyllische Stadt durchaus interessante Eindrücke aus Modernität und den Charme von Le Havre. Ein etwas trockener Charme zugegebenermaßen, aber auf sehr französisch-normannische Weise nonchalant.

Le Havre an der Mündung der Seine ist zweimal am Reißbrett geplant worden. Nichts ist von dem ersten Entwurf von 1517 erhalten, außer einigen Zeichnungen und Bildern des Kriegshafens, den König François I. bauen ließ, weil der alte Hafen Harfleur, heute ein Stadtteil von Le Havre, versandete. Selbst im 19. Jahrhundert, als die alte Struktur noch erhalten war, hieß es von der Stadt Le Havre in einigen Normandie-Reiseführern, dass sie nicht besonders anheimelnd, aber dafür doch recht betriebsam sei. Diese Beschreibung gilt auch heute noch für den zweiten Entwurf.

Wiederaufbau von Le Havre

Im Kriegsjahr 1944 warfen die Alliierten acht Tage lang ihre Bomben auf die einzige Stadt ab, die die Deutschen trotz der bereits entschiedenen Schlacht in der Normandie und der Befreiung von Paris immer noch besetzt hielten. Rund 4000 Menschen starben, und etwa 80 Prozent der Stadt wurden völlig zerstört. Zwei Jahre dauerte die Beseitigung des Schutts. Da Le Havre aber ein enorm wichtiger Hafen für Frankreich war und ist, begann der Aufbau unter Prämissen, die dem Zweck, nämlich dem einer Hafenstadt und Industriezone, durchaus angemessen sind, aber den ganz menschlichen Ansprüchen an Ästhetik nicht mehr gerecht werden.

Le HavreNach dem Krieg und der Schuttbeseitigung wurde der bereits 70-jährige Architekt Auguste Perret mit dem Aufbau der Stadt beauftragt. Der Lehrer von Le Corbusier galt als einer der Wegbereiter des Funktionalismus besonders des Eisen- und Stahlbetonbaus und tat sich vor allem durch Industriebauten hervor. Freilich war Le Havre als Hafen- und Industriestadt geplant, von daher die Wahl des Architekten so schlecht nicht. Perrets „dreidimensionale Konstruktion“ äußert sich in schmucklosen vertikalen und horizontalen Linien, d. h. Die massiven Gebäude sind entweder endlos lang gestreckte Blöcke oder hochaufragende Türme.

Innenstadt und Altstadt von Le Havre

Am deutlichsten werden die Dimensionen am Rathausplatz (Place de l'Hôtel de Ville), der mit seinen Ausmaßen (200 m x 250 m) zu den größten Plätzen Europas zählt und gewiss der größte Frankreichs ist. Die gesamte Nordseite wird vom Rathaus eingenommen, einem lang gestreckten Gebäude, das wohl der horizontalen Linienführung entspricht. Der Platz selbst wurde durch Begrünung und Gestaltung mit Brunnen und dergleichen ein wenig aufgelockert. Auch die Kirche St-Joseph am Boulevard François I. ist ein typisches Bauwerk Perrets, in ihrer grauen und nüchternen Betonbauweise weit entfernt von jener flamboyanten Üppigkeit der typisch normannischen Kathedralen, aber dennoch ebenso groß, in der Tat die größte Nachkriegskirche Frankreichs.

Die markantesten Bauwerke jedoch, südlich des Rathausplatzes, stammen aus den 1980er Jahren und erinnern an etwas kurz geratene Kühltürme eines Kraftwerks, sind aber das Gehäuse des Kulturzentrums von Le Havre. Großer und kleiner Vulkan werden sie genannt. Entworfen wurde dieses Kulturzentrum mit Kinos, Theater und Ausstellungsräumen von dem brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer, der vom Perret-Schuler Le Corbusier beeinflusst und maßgeblich an der Gestaltung der neuen brasilianischen Hauptstadt Brasilia beteiligt war. Vom Rathausplatz und dem Kulturzentrum weiter südlich Richtung Fährhafen nach Irland (Terminal d'Irlande) kann man links von der Rue de Paris noch etwas Altstadt entdecken, sofern dieser Begriff für Le Havre überhaupt anzuwenden ist. Immerhin befinden sich in dem Viertel Île St-François noch einige Gebäude aus dem 16. Jh. Auch die Kirche Notre-Dame stammt noch aus dem 16. Jh. und wirkt in all der Betonmodernität wie ein Anachronismus. Die Orgel, im Original erhalten, wurde 1637 von Kardinal Richelieu gespendet. Sehenswert ist darüber hinaus auch das neue Kunstmuseum Musée Malraux, ein neuer und lichter Glasbau, in dem Werke europäischer Kunst vom 17. bis 20. Jahrhundert u. a. auch Bilder von Raoul Dufy und Eugène Boudin ausgestellt sind, letztere in Le Havre geboren und deswegen besonders liebevoll gewürdigt.

Seine-Brücke in Le Havre (Pont de Normandie) und Hafen

Pont Normandie zwischen Le Havre und Honfleur (Author: wikimedia)

Das mit Sicherheit beeindruckendste Bauwerk in Le Havre ist der Pont de Normandie, der 1988 als längste Hängebrücke Europas (2141 m) eröffnet wurde. Die elegante Konstruktion überspannt das Seine-Ästuar und verbindet Le Havre mit dem malerischen Städtchen Honfleur. Der Superlativ in Sachen Brückenbau wurde jedoch genau zehn Jahre später übertroffen: In Portugal wurde anlässlich der EXPO'98 der Ponte Vasco da Gama dem Verkehr übergeben, der 12 km lang den Tejo bei Lissabon überspannt, und in Südfrankreich fasziniert das Viadukt in Millau den Betrachter.

Jenseits der erschlagenden Betonwüste der Innenstadt ist jedoch die Betriebsamkeit des Hafens von Le Havre durchaus faszinierend: Le Havre ist einer der größten Häfen Europas, nach Marseille der zweitgrößte Frankreichs und somit ein Tor zur großen weiten Welt. Von dort legen nicht nur die Fähren nach England und lrland ab und an, sondern auch Schiffe nach Amerika, dem Fernen Osten, ins Mittelmeer und nach Afrika. Ob Supertanker, Containerschiffe, Autofähren, Fischkutter oder Kreuzfahrtschiffe (siehe www.kreuzfahrten-netz.de) - die riesigen, raffiniert angelegten Hafenanlagen vermitteln einen Hauch von Fernweh und Abenteuer, wenn auch längst nicht so romantisch wie in de n Zeiten der Segelschiffe. Die Hafenanlagen mit ihren Schleusen, die den starken Tidenhub von ca. acht Metern ausgleichen, gehen direkt in die Industriezone über, die sich entlang der Seine bis zum Pont de Tancarville erstreckt und somit größer als die Stadt selbst ist. 40 % des Erdölimports Frankreichs gehen über Le Havre und werden gleich vor Ort verarbeitet. Raffinerien, Chemiefabriken, Zementwerke, Werften, Metall verarbeitende Industrie und Automobilwerke geben der Normandie-Region ihre Wirtschaftskraft, berauben sie aber auch ihrer landschaftlichen Reize.

Wer jedoch dank des Hafens und der blühenden Industrie zu denjenigen gehört, die ein erkleckliches Sümmchen verdienen, kann es sich leisten, in das hübsche Villenviertel von Le Havre, Sainte-Adresse, zu ziehen, ein Vorort am Meer und nördlich des Zentrums hoch auf einem Hügel gelegen, von wo man einen wunderbaren Überblick über den Hafen, die Fabriken und Perrets Betonkreation hat. Im kleinen Ort Mintvilliers ein paar Kilometer außerhalb Le Havres geht es weit zurück in die Geschichte. In der jüngst restaurierten Abtei aus dem 7. Jahrhundert wird eine beeindruckende Ausstellung zum Leben der Mönche präsentiert.

Foto: Max-TD Image-Datenbank / Dago

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