Souvenirs der Normandie
Kunsthandwerk und Souvenirs aus der Normandie
Sich wirklich originales Kunsthandwerk aus der Normandie als Souvenir mitzubringen, ist entweder sündhaft teuer oder nur unter Schwierigkeiten zu transportieren oder beides.
Zu letzterem gehört auf jeden Fall der normannische Kleiderschrank, ein Monstrum aus massivem Holz, das wohl kaum noch in Neubauwohnungen passt und heute ohnehin nur noch in Museen zu bewundern ist.
Das Möbel dürfte zu den ältesten kunsthandwerklichen Traditions-produkten der Normandie gehören, denn bereits ab dem 13. Jh. kam es in Gebrauch, als andernorts noch Truhen für die Aufbewahrung der Wäsche benutzt wurden.
Es war, wie jene bescheidenen Truhen auch, ein Brautgeschenk, das für die Aussteuer der frisch getrauten Ehefrau gefertigt wurde.
Nicht nur die Größe zeugt vom Reichtum der Menschen dieser Region – offensichtlich konnten sie sich eine Vielzahl von Wäschestücken leisten -, sondern auch die üppige und sehr kunstvolle Schnitzerei, die mit Ähren, Putten, Blumen und schnäbelnden Vögeln die Eheleute auf Fruchtbarkeit einstimmen sollte.
Ebenso massiv und ebenso ungeeignet für moderne Wohnverhältnisse ist das Büfett, das ab dem 17. Jh. in Gebrauch kam. Symbol bürgerlicher und großbäuerlicher Behäbigkeit war schließlich die Standuhr, die ab dem 18. Jh. mit einem reich verzierten Zifferblatt in den normannischen Stuben zu finden war.
Gleichsam edel, aber sehr viel handlicher sind die Fayencen aus Rouen, eine Porzellanimitation, die ab dem 16. Jh. hergestellt und im 17 . Jh. bereits weit über die Grenzen der Normandie hinaus verkauft wurde. Das blaue Muster auf weißem Grund oder umgekehrt wurde zum Markenzeichen der Tonwaren aus Rouen, doch mit steigender Nachfrage und den verschiedenen Moden veränderte sich auch das Dekor, wurde kunstvoller und farbenprächtiger.
Ab dem 18. Jh. konnten die normannischen Fayence- Manufakturen nicht mehr mit den preiswerteren Import waren aus England konkurrieren und mussten nach und nach aufgeben. Alte Stücke erhält man vielleicht noch in den Antiquitätenläden, die neueren für die Souvenirindustrie sind in der Regel etwas kitschige Massenanfertigungen.
Qualitativ hochwertige normannische Töpferwaren aus Steingut jedoch werden noch immer hergestellt, neben hübschen Kleinigkeiten auch alle traditionellen normannischen Haushaltswaren, wie der cruchon à calvados, ein kleiner Krug für den Apfelschnaps oder andere alkoholische Kostproben. Im Cotentin findet man noch etliche Töpfereien, die das braun glasierte Steingut herstellen.
Kunstvolles Schmiedeeisen Tür- oder Kommodengriffe wie auch dekorative Objekte - wird im Département Orne und an anderen Orten mit einer langen Eisenverarbeitungstradition gefertigt. Schönes Kochgeschirr oder auch etwas aus der Mode gekommene Vasen und Krüge werden in Villedieu-les-Poêles im Département Manche aus Kupfer getrieben.
Die Tradition besteht seit dem 17. Jh., wird heute jedoch nur noch in kleinem Rahmen fortgeführt. Daneben gibt es in Villedieu eine traditionelle Glockengießerei, deren Produkte aber wohl kaum als Mitbringsel geeignet sind.
Die zartesten Souvenirs aus der Normandie sind sicherlich die bekannten Spitzen, die in Alençon, Argentan und in Bayeux hergestellt und verkauft werden. Da die Produktion sehr aufwendig ist und letztlich zu teuer kommt, um noch lukrativ zu sein, werden die duftigen Spitzengewebe, mit denen sich einst der Adel Europas schmückte, nur noch als dekorative Verzierungen fabriziert. Zum Verkauf stehen spitzengesäumte Taschentücher, Servietten oder Tischdecken.
Die preiswertesten und beliebten Mitbringsel, auch in gewisser Weise Kunsthandwerk, sind die Leckereien, die in der Normandie überall erhältlich sind: Calvados, Cidre, Pommeau und natürlich Käse. Hält nur nicht so lange.
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