Taubenhäuser Normandie
Taubenhäuser – Sehenswürdigkeiten der Normandie
In der Normandie und besonders im Pays de Caux kann man immer wieder jene merkwürdigen Gebilde entdecken, die als plumpe Türmchen in der Nähe eines Schlosses oder eines herrschaftlichen Hauses stehen.
Es handelt sich um Taubenhäuser, die, kunstvoll verziert, mal mit Bänderkeramik, mal mit Fachwerk, eine Tradition haben, die bis in die Römerzeit zurückreicht.
Taubenhäuser waren in der Normandie seit dem Mittelalter ein herrschaftliches Vorrecht. Nur der Adel durfte ein solches Taubenhaus besitzen, und das Töten der Tauben, die den armen Bauern die Saat wegfraßen, war den einfachen Untertanen natürlich ebenfalls verboten.
Das Privileg wurde, wie viele andere Privilegien des Adels auch, 1789 im Zuge der Französischen Revolution abgeschafft, viele schmucke Taubenhäuser in der Folge vom erzürnten Volk zerstört. Einige blieben jedoch erhalten, und so findet man auf der Route des Colombiers, der Straße der Taubenhäuser südlich von Veulettes-sur-Mer, einige der schönsten Exemplare.
Die ausgeschilderte Straße führt unter anderem auch durch das idyllische Tal des Flusses Durdent mit verschlafenen Dörfern, Wiesen und Wäldern, eine Strecke, die sich auch als Fahrradausflug lohnt.
Erste Station ist der kleine Ort Grainville-la-Teinturière südlich von Cany-Barville. Das Dorf selbst ist mit seinen schönen Fachwerkhäusern eine Augenweide. Das Taubenhaus befindet sich neben der Kirche auf dem Grund des einstigen Schlosses von Jehan de Béthencourt.
Auch in Bosville, einem gepflegten Bauerndorf, befindet sich das Taubenhaus, das ungewöhnlicherweise mit Schilfrohr gedeckt ist, in der Nähe des Schlosses, das heute als Rathaus dient. In Oherville wirkt das ganze Schloss, das Manoir d'Auffay aus dem 15. und 16. Jahrhundert, mit den vielfarbigen Schmucksteinen und den massiven Türmen wie ein Taubenhaus. Das eigentliche Taubenhaus ist seit 1992 Museum und erläutert Gebrauch und Geschichte der herrschaftlichen Taubenhäuser.
Weitere Taubenhäuser befinden sich in den Orten Héricourt-en-Caux, hier mit ungewöhnlich fein gearbeiteten Arkadenbögen geschmückt, sowie ein 1992 liebevoll restauriertes in Saint-Pierre-Lavis.
Heute gehören die Taubenhäuser zu den bekannten Sehenswürdigkeiten der Normandie.
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