Stadtrundgang Caen
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Stadtrundgang in Caen: Die Burganlage, auf einer Anhöhe im Herzen der Stadt gelegen, bildet zusammen mit den beiden Abteien das kulturelle und geografische Zentrum Caens.
Durch Caen schlendern und den Trubel geniessen
Foto: VoyageMedia.de für Normandie-Netz
Das weitläufige Areal der Burg beherbergt das Musée de Normandie und das Musée des Beaux-Arts. Wilhelm der Eroberer ließ die ältesten Teile ab 1060 errichten. Sein Sohn Heinrich I. Beauclerc ergänzte die Anlage um 1120 um einen Wehrturm; in den folgenden Jahrhunderten wurde sie erweitert und verstärkt. 1793 wurde die Zerstörung des Turms angeordnet; sie dauerte bis ins frühe 19. Jahrhundert. Die Bombenschäden von 1944 wurden weitgehend behoben; die Überreste des Turms wurden bei Ausgrabungen wieder freigelegt. Der Innenhof wurde von späteren Bauten freigeräumt und als großzügige Grünanlage gestaltet.
Im Hof stehen die restaurierte Salle de l’Échiquier und die Kirche Saint-Georges. Die große Empfangshalle wird um 1098 datiert; ihr Name erinnert an das Rechnen mit Spielsteinen auf einem schachbrettartigen Brett. Die Kirche besitzt gotische Fenster aus dem 14. und 15. Jahrhundert; Chor und Portal wurden zu Beginn des 16. Jahrhunderts umgestaltet.
In der ehemaligen Residenz des Landvogts aus dem 15. und 16. Jahrhundert befindet sich das Musée de Normandie. Seine Sammlungen zeigen Aspekte des Alltagslebens, darunter normannische Kleidung, Hausrat und Möbel. Das zu den Museen in Caen gehörende Musée des Beaux-Arts präsentiert Kunst vom 15. bis zum 17. Jahrhundert, französischen Impressionismus und zeitgenössische Werke. Hinzu kommt eine umfangreiche Kupferstichsammlung.
Östlich der Burg liegt die Abbaye-aux-Dames, die Königin Mathilde im 11. Jahrhundert errichten ließ. Die mittelalterlichen Konventsgebäude wurden im 18. Jahrhundert durch Neubauten ersetzt; wegen der Revolution blieb der Komplex unvollendet. Deshalb hat der Kreuzgang nur drei Seiten. Die Abteikirche La Trinité blieb erhalten. In ihr befindet sich Mathildes Grab. Sie starb 1083, vier Jahre vor Wilhelm dem Eroberer, der 1087 starb. Die schlichte Grabplatte aus schwarzem Marmor liegt im Chor. Besonders eindrucksvoll ist die Krypta mit ihren 16 Säulen.
Auf der anderen Seite der Burg steht Wilhelms Abbaye-aux-Hommes. Wilhelm gründete die Abtei 1063; die Abteikirche Saint-Étienne wurde 1077 geweiht. Lanfranc, der zuvor zwischen Papst und Herzogspaar vermittelt hatte, wurde erster Abt und später Erzbischof von Canterbury. Die Klostergebäude wurden im 18. Jahrhundert erneuert und dienen seit 1965 als Rathaus. Die bis ins 14. Jahrhundert umgebaute Kirche verbindet romanische Architektur mit gotischen Ergänzungen.
Wilhelm wurde 1087 im Chor von Saint-Étienne bestattet. Sein Grab wurde während der Religionskriege im 16. Jahrhundert geplündert; seine Gebeine wurden verstreut. Die Kirche erlitt in dieser Zeit schwere Schäden und wurde im 17. Jahrhundert restauriert. Ein Wilhelm-Porträt von 1708 befindet sich in der Sakristei. In der Nähe der Burg steht außerdem die Kirche Saint-Pierre, die vom 13. bis zum 16. Jahrhundert entstand. Ihr Turm und der aufwendig gestaltete Chor prägen den Platz am früheren Haupteingang der Burg.
Von den Abteien führt der Rundgang zurück in die Altstadt. An der Place Saint-Pierre liegt das Hôtel d’Escoville, ein Stadthaus des 16. Jahrhunderts mit Skulpturenschmuck und Innenhof. In der Rue Saint-Pierre sind auch Fachwerkhäuser aus dem 16. Jahrhundert erhalten. Das Maison des Quatrans an der Rue de Géôle stammt aus dem 15. Jahrhundert und gehört zu den ältesten erhaltenen Häusern der Stadt. In den verkehrsberuhigten Seitenstraßen zwischen Burg und Abbaye-aux-Hommes, darunter Rue Froide, Rue Vauquelin und Rue aux Fromages, zeigt sich weiteres Altstadtflair mit Cafés, Läden und Buchantiquariaten.
Als letzte Station bietet sich das Bassin Saint-Pierre an. Am Quai Vendeuvre bildet der Yachthafen einen Kontrast zu den mittelalterlichen Abteien und der Burg: Hier öffnet sich der Rundgang zum Wasser und zum städtischen Hafenleben. So verbindet der Weg die herzogliche Geschichte Caens mit Museen, Kirchen, historischen Wohnhäusern und dem heutigen Zentrum. Für einen längeren Aufenthalt bieten sich Unterkünfte in Caen als Ausgangsbasis an. Weitere Städte der Normandie eröffnen andere Schwerpunkte zwischen mittelalterlicher Architektur und Hafenlandschaft.