Anglo-normannisches Herzogtum

Anglo-normannisches Herzogtum König Philippe I.

Die Normandie als anglo-normannisches Herzogtum

Dem französischen König Philippe I. gefiel die Machtkonzentration in der Normandie keineswegs. Mit der dynastischen und politischen Einheit von Normandie und England hat er einen allzu mächtigen Gegner vor der Haustür. Als Wilhelm 1087 starb, gerieten seine drei Söhne in heftigen Streit um das Erbe, das sie schließlich aufteilten. Die Erbteilung war ganz im Sinne des französischen Königs: Robert Kurzhose (Robert Courteheuse) erhielt das Herzogtum Normandie, Wilhelm der Rote (Guillaume le Roux) das Königreich England. Nur Henry Beauclerc (Heinrich Schöngeist) ging leer aus und erhielt eine finanzielle Abfindung. Doch Wilhelm der Rote wurde auf dubiose Weise während eines Jagdausflugs mit seinem Bruder Henry getötet, der ihm daraufhin als Henry I. Beauclerc auf den englischen Thron folgte. Die beiden Brüder Robert und Henry standen sich zeitlebens feindlich gegenüber. Henry versuchte immer wieder, die Normandie-Regionen und England zu vereinen und seinen Bruder auszuschalten. 1106 nahm er Robert gefangen, der den Rest seines Lebens in allerdings komfortablem Arrest verbrachte, und vereinte Herzogtum und Königreich wieder.

Henrys einziger legitimer männlicher Nachfolger ertrank beim Untergang eines Schiffes im Ärmelkanal. Da die Zeiten vorbei waren, in denen illegitime Kinder auf den Thron folgen konnten, setzte Henry seine Tochter Mathilde als Thronerbin durch. Sie war die Witwe des deutschen Kaisers Heinrich V. und nannte sich zeitlebens >die Kaiserin<, obwohl sie selbst nie gekrönt worden war. 1129 heiratete sie den Grafen Geoffrey von Anjou, der wegen eines Ginsterzweigs (planta genista), den er stets am Helm trug, den Beinamen Plantagenet erhielt. Als Henry 1135 starb, machte Mathilde ihren Anspruch auf den englischen Thron geltend, doch das gestaltete sich als nahezu unmöglich. Stephan de Blois, der über seine Mutter ein Enkel Wilhelms des Eroberers war, ließ sich kurzerhand zum König krönen. Eine bittere Schlacht um die englische Krone und das normannische Herzogtum entbrannte, da Mathilde sich keineswegs zurückziehen wollte. Der Kampf endete 1153 schließlich in einem Kompromiss: Stephan blieb König von England, erkannte aber Mathildes Sohn Henry als Thronerben an.

1154 starb Stephan, und Henry II. Plantagenet wurde zum Herrscher eines größeren Reichs, als es sich Wilhelm der Eroberer jemals erträumt hatte. Er war König von England, Herzog der Normandie und besaß die Lehenshoheit über Anjou, die Bretagne, Maine und Touraine, und über seine Frau Eleonore (Aliénor) auch über Aquitanien, Poitou, Guyenne und die Gascogne. Halb Frankreich gehörte ihm somit durch Heirat, Erbschaft und Unterwerfung. Darüber hinaus erklärte er sich schließlich mit päpstlicher Hilfe zum König von lrland, wodurch dessen lange englische Besatzung begann. Die Ehe mit Eleonore von Aquitanien, die als reichste Partie Europas galt, war ein geschickter Schachzug. Sie war mit dem französischen König Louis VII. verheiratet gewesen, eine erbenlose Ehe, die auf ihr Betreiben hin für ungültig erklärt wurde. Nach der Zeit der größten Ausdehnung des anglo-normannischen Reiches war der Niedergang umso schmerzlicher und nachhaltiger. Henrys Söhne, Richard Löwenherz (Richard Ceur de Lion) und Johann Ohneland (Jean Sansterre) rebellierten offen gegen den strengen und Macht hungrigen Vater.

Richard war ein Heißsporn, unüberlegt und tatendurstig. Seine Leidenschaft war die Kreuzfahrerei, die ihn noch zu Lebzeiten zum legendären strahlenden Helden und „Retter des christlichen Abendlandes“ machte. Johann hingegen war labil, wänkelmütig und mehr zur Intrige neigend denn zum offenen Kampf, Seinen Beinamen „Ohneland“, erhielt er wegen der von seinem Vater geplanten Erbteilung, die ihn anders als seinen früh verstorbenen ältesten Bruder und Richard ohne Land ließ. Henry starb 1189, und sein Sohn Richard Löwenherz wurde zum Herzog der Normandie und zum König von England gekrönt. Doch anstatt sich um sein Reich zu kümmern, überließ er seinem Bruder Johann die Regentschaft und machte sich sofort mit den beiden Königen Friedrich I., Barbarossa und Philippe II., Auguste von Frankreich auf zum dritten Kreuzzug nach Jerusalem. Friedrich Barbarossa ertrank 1190 in einem Fluss in Kleinasien, Richard legte sich mit all seinen Mitstreitern an. Er beleidigte den österreichischen Monarchen, schloss die Deutschen nach der Belagerung von Akkon von der Beute aus und überwarf sich mit Philippe Auguste, der daraufhin nach Frankreich zurückkehrte. Als sich Richard 1192 auf den Rückweg nach England machte, wurde er in Österreich festgesetzt und an den deutschen Kaiser Heinrich VI. ausgeliefert, der ihn ein Jahr gefangen hielt.

Philippe Auguste, der die anglo-normannischen Besitzungen in Frankreich seinem eigenen Reich einverleiben wollte, nutzte diese Zeit, um dem schwachen Johann Ohneland die Normandie zu entreißen. Der überließ ihm schließlich die Grenzgebiete des Herzogtums und gestattete ihm sogar, Soldaten in Evreux zu stationieren. Als Richard aus der Gefangenschaft zurückkehrte, zog er erneut in die Schlacht, diesmal gegen Philippe Auguste, den er erfolgreich aus der Normandie vertreiben konnte. Um das Seinetal zu sichern, ließ Richard das Schloss Gaillard errichten. Als Richard 1199 starb, wurde nicht, wie es Philippe Auguste erhofft hatte, Johann sein Nachfolger, sondern dessen Neffe Arthur von Bretagne. Johann ließ ihn in Rouen ermorden, tat es vermutlich sogar eigenhändig, und floh nach England. Im Jahr 1204, Philippe Auguste hatte die Normandie bereits besetzt, wurde Johann unter dem Vorwand, seinen Neffen ermordet zu haben, die Normandie aberkannt. Das Kernreich der Anglo-Normannen war nun Teil des französischen Königreichs geworden.

Foto: wikimedia - gemeinfrei ohne Quellenangabe

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