Eroberung Englands
Die Eroberung Englands durch normannische Ritter sollte Europas Geschichte verändern
Foto: VoyageMedia für Normandie-Netz.de
Kurzfakten zum Thema
- Der englische König Eduard der Bekenner starb am 5. Januar 1066 ohne direkten Nachfolger.
- Harold Godwinson wurde am 6. Januar 1066 zum König gekrönt.
- Herzog Wilhelm von der Normandie erhob Anspruch auf den englischen Thron.
- Wilhelm landete im September 1066 an der englischen Südküste und besiegte Harold bei Hastings.
- Die Schlacht fand am 14. Oktober 1066 statt; Wilhelm wurde an Weihnachten in Westminster gekrönt.
- Der Teppich von Bayeux erzählt die Eroberung in einer mittelalterlichen Bildfolge.
Erbfolge und konkurrierende Ansprüche
Eduard der Bekenner regierte England bis zu seinem Tod im Januar 1066. Er hinterließ keinen direkten Erben. Am Tag nach seinem Tod wurde Harold Godwinson, ein führender englischer Adeliger und Schwager des Königs, zum König gekrönt. Herzog Wilhelm von der Normandie beanspruchte ebenfalls den Thron und berief sich auf eine frühere Zusage Eduards sowie auf seine Verwandtschaft mit dem verstorbenen König. Die mittelalterlichen Berichte über diese Versprechen entstanden in einem politischen Konflikt und stellen die Ansprüche unterschiedlich dar. Für die Geschichte entscheidend ist: Mehrere Bewerber konkurrierten um die Krone, und Wilhelm bereitete eine militärische Expedition über den Ärmelkanal vor.
Die Normandie war zu dieser Zeit ein eigenständiges Herzogtum innerhalb des französischen Königreichs. Wilhelm musste seine Gefolgsleute und Verbündeten für den Feldzug gewinnen. Das Heer setzte sich aus normannischen, bretonischen, flämischen und anderen Kontingenten zusammen. Die Vorgeschichte des Feldzugs gehört zur weiteren Geschichte der Wikinger und des normannischen Herzogtums; der regionale Überblick zur Geschichte der Normandie zeigt, wie aus der Herrschaft um Rouen ein politischer Akteur im europäischen Machtgefüge wurde.
Von der Landung zur Krönung
Im September 1066 überquerte Wilhelms Flotte den Ärmelkanal. Die Truppen landeten bei Pevensey in Südengland und errichteten bei Hastings eine Befestigung. Harold war kurz zuvor im Norden gegen den norwegischen König Harald Hardrada vorgegangen und musste mit seinem Heer nach Süden marschieren. Am 14. Oktober trafen die Armeen bei Hastings aufeinander. Die Schlacht endete mit Harolds Tod und Wilhelms Sieg. Am 25. Dezember 1066 wurde Wilhelm in der Westminster Abbey zum König von England gekrönt.
Auf die Krönung folgte die schrittweise Durchsetzung normannischer Königsherrschaft in England. Wilhelm verteilte Ländereien an seine Anhänger, ließ Burgen errichten und setzte eine neue Führungsschicht ein. Die Machtübernahme veränderte Landbesitz, Verwaltung und die Beziehungen zwischen Krone, Adel und Kirche. Zugleich blieb Wilhelm Herzog der Normandie und König von England; die beiden Gebiete waren über den Herrscher verbunden. Die Herrschaftsgeschichte danach behandelt das anglo-normannische Herzogtum.
Der Teppich von Bayeux als Geschichtsquelle
Der Teppich von Bayeux erzählt die Ereignisse in einer langen, bestickten Bildfolge. Er zeigt die Schlacht, Botschaften, Vorbereitungen, Reise, politische Verhandlungen und den Bau von Schiffen. Damit eröffnet er einen Einblick in Kleidung, Bewaffnung, Schiffe und Bildsprache des elften Jahrhunderts. Zugleich ist das Werk eine Darstellung mit eigener Perspektive: Es ordnet das Geschehen als Erzählung über Wilhelm und seine Rechtfertigung des Anspruchs. Historiker vergleichen es deshalb mit schriftlichen Chroniken und anderen zeitgenössischen Zeugnissen.
Das Museum in Bayeux ist wegen Renovierungsarbeiten bis Herbst 2027 geschlossen; der Teppich lässt sich währenddessen online erkunden. Die Eroberung war ein Wendepunkt für die Beziehungen über den Ärmelkanal und für die Entwicklung des normannischen Adels in Europa. Andere Familien aus der Normandie bauten im 11. Jahrhundert auch in Süditalien und Sizilien Herrschaften auf; der Beitrag über Normannen als Staatengründer stellt diese weiteren Eroberungs- und Herrschaftswege vor.