Geschichte(n) der Normandie
Geschichte und Geschichten der Normandie: Der „Garten gleich hinter Paris“ wird die Normandie genannt.
Nicht zu Unrecht, denn schließlich können die Hauptstädter mit dem Auto in nur knapp zwei Stunden nach Deauville oder Étretat reisen.
Traumhafte Sandstrände, steile Klippen und felsige Küsten sind denn auch die Hauptanziehungspunkte der Normandie, für die Pariser ebenso wie für viele andere Gäste aus nah und fern.
Kasinos und Edelrestaurants, Kultur und Feste bieten fast das ganze Jahr über Unterhaltung und Abwechslung, falls die Sonne einmal nicht scheinen mag oder nach dem Tag am Strand das Nachtleben lockt.
Um jedoch den wahren Garten und die Geschichte und Geschichten der Normandie kennen zu lernen, muss man das Hinterland besuchen.
Herrlich gestaltete Gärten und Parks gibt es in der Tat recht häufig in der Region, allen voran der überwältigend schöne Blumengarten des Malers Claude Monet in Giverny.
Erst die freie Natur, das Bauernland, bietet jene Idylle, mit der die Landschaft der Normandie verbunden wird: fette Weiden, auf denen Kühe grasen, aus deren Milch die legendären normannischen Käse produziert werden; Apfelplantagen, deren Früchte zu Getränken veredelt werden, die man in der ganzen Welt mit der Normandie in Verbindung bringt: Cidre, Calvados und Pommeau.
Und dann sind da natürlich noch die verträumten Dörfer oder idyllisch gelegenen Herrenhäuser mit dem charakteristischen normannischen Fachwerk, die in der milden Landschaft das Sahnehäubchen sind, oder die lebhaften Städte, die ihren auch kulturellen Reichtum einer blühenden lndustrie und der Schifffahrt verdanken.
Die über tausendjährige Geschichte der Normandie hat darüber hinaus Relikte hinterlassen, die jede Reise zu einer architektonischen Studie machen – eine ganze Region als Freilichtmuseum. Anmutige Schlösser und gewaltige Burgen, die Ruinen von Abteien und majestätische Kathedralen nahezu jeglicher Stilrichtung der vergangenen Jahrhunderte sind über das ganze Land verstreut.
Die Geschichte hat in der Normandie jedoch nicht nur Bauwerke hinterlassen, die von Reichtum, Macht und Kriegen in tiefer Vergangenheit zeugen, sondern auch frische Narben. Die Ruinen der Bunkeranlagen an den Plages du Débarquement und die zahlreichen Soldatenfriedhöfe erzählen davon, dass dieser stets umkämpfte Teil Frankreichs auch im 20. Jh. noch keinen Frieden gefunden hatte.
Heute jedoch wirkt die Normandie so friedlich wie vermutlich niemals zuvor. Die Stürme der kriegerischen Vergangenheit, von der Eroberung durch die Wikinger über die Kriege zwischen England und Frankreich bis zur Schlacht von 1944, haben die Normandie nicht in die Knie zwingen können, auch wenn im 20. Jh. in den Städten viel von ihrem architektonischen Erbe zerstört wurde.
Die gelassene Bodenständigkeit der Normannen, die Anmut des Landes in unmittelbarer Nähe zum Meer und damit verbunden eine traditionelle Weltoffenheit sind zum Kennzeichen dieser Landschaft geworden. Oder wie Guy de Maupassant schrieb: „Die Normandie ist wie der Apfelbaum, die Wurzeln fest in der Erde, die Stirn dem Meer zugewandt.“
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